Ganzrationale Funktionen

Mathe · E-Phase · von ganz vorne, in acht kleinen Schritten

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Erklärung

1 · Sie kennen die schon

Zwei Funktionen, die Sie längst benutzt haben:

f(x) = −34 x + 1g(x) = −12 x2 + 3x − 4

Die erste ist linear, die zweite quadratisch. Beide sind ganzrationale Funktionen. Der neue Name fasst also nur zusammen, was Sie schon kennen — und erweitert es auf höhere Hochzahlen.

Andere Wörter für dasselbe: Polynomfunktion oder kurz Polynom.

Die Idee in einem Satz

Eine ganzrationale Funktion besteht nur aus Potenzen von x mit den Hochzahlen 0, 1, 2, 3, … Jede Potenz wird mit einer Zahl multipliziert, und alles wird addiert oder subtrahiert.

Die drei Kontrollfragen

  1. Stehen über dem x nur Hochzahlen wie 0, 1, 2, 3, …? (Kein Minus, kein Bruch.)
  2. Steht x nie unter einem Bruchstrich?
  3. Steht x nie unter einer Wurzel?

Dreimal ja → ganzrational. Einmal nein → nicht ganzrational.

x ohne sichtbare Hochzahl heißt x1. Eine reine Zahl wie 7 gehört auch dazu — warum, kommt in Schritt 2.

Rechnen

Erkennen

A 1

Welche dieser Funktionen sind ganzrational? Tippen Sie alle passenden an.

Gehen Sie jede Zeile mit den drei Kontrollfragen durch. Bei 2x steht das x oben — das ist keine Potenz von x, sondern eine Potenz von 2.
Ganzrational sind: 3x2+1, die 7 und x3−2x. Nicht ganzrational: 1:x (x im Nenner), √x (x unter der Wurzel), 2x (x als Hochzahl).
Erklärung

2 · Der Grad

Der Grad einer ganzrationalen Funktion ist die höchste Hochzahl, die beim x vorkommt. Mehr steckt nicht dahinter.

Funktionhöchste HochzahlGrad
f(x) = x3 − 2xx33
g(x) = 4x − x5 + 2x55
h(x) = 6xx11
i(x) = 8x00
Zwei Stolperstellen

1. Die Summanden müssen nicht sortiert sein. Suchen Sie die größte Hochzahl, nicht die erste.
2. Eine reine Zahl hat Grad 0, denn 8 = 8 · x0 — und x0 ist 1.

x0 = 1 gilt für jedes x außer 0. Deshalb darf man jede Zahl heimlich mit x0 schreiben.

Rechnen

Grad bestimmen

A 2

Tragen Sie jeweils den Grad ein.

a) f(x) = 2x4 − x + 9 → Grad
b) g(x) = 5 − 3x2 + x7 → Grad
c) h(x) = −12 → Grad
d) i(x) = 6x → Grad
e) j(x) = x2 − x9 + 4x3 → Grad
Bei b) und e) steht die größte Hochzahl nicht vorne. Bei c) kommt gar kein x vor — das ist der Fall x0.
a) 4   b) 7   c) 0   d) 1   e) 9
Erklärung

3 · Jeder Grad hat einen Namen

Die niedrigen Grade haben eigene Namen, die höheren werden einfach durchnummeriert.

GradBeispielName
0f(x) = 2konstante Funktion
1g(x) = −3x + 0,4lineare Funktion
2h(x) = x2 + 5quadratische Funktion
3i(x) = x3 − 2x2kubische Funktion
4k(x) = 3x4 + 3Funktion 4. Grades
5l(x) = x5 − xFunktion 5. Grades
Ab Grad 4 wird es bequem

Man sagt einfach „Funktion 4. Grades“, „Funktion 10. Grades“, … Für Grad 4 hört man zusätzlich den Namen biquadratische Funktion.

Konstant heißt: Der Funktionswert ändert sich nie. Der Graph ist eine waagerechte Gerade.

Rechnen

Namen zuordnen

A 3

Wählen Sie zu jedem Grad die passende Bezeichnung.

Grad 0 →
Grad 2 →
Grad 3 →
Grad 10 →
Grad 0 konstante Funktion · Grad 2 quadratische Funktion · Grad 3 kubische Funktion · Grad 10 Funktion 10. Grades
A 4

Grad ablesen und benennen.

i(x) = x3 − 2x2 + 4x − 110
Grad , also eine
k(x) = 3x4 + 0,6x2 + 3
Grad , also eine
Der Bruch 110 am Ende ist nur eine Zahl ohne x. Er verändert den Grad nicht.
i(x): Grad 3, kubische Funktion. k(x): Grad 4, Funktion 4. Grades (biquadratisch).
Erklärung

4 · Was nicht dazugehört

Diese beiden sehen harmlos aus, sind aber nicht ganzrational:

u(x) = 1xv(x) = √x

Der Grund wird sichtbar, wenn man sie als Potenz schreibt:

u(x) = x−1v(x) = x0,5

Die Hochzahl ist einmal negativ und einmal ein Bruch. Erlaubt sind aber nur 0, 1, 2, 3, …

erlaubtx0, x1, x2, x3, x100 — jeweils mal eine Zahl, dann addiert
nicht erlaubtx im Nenner, x unter der Wurzel, x als Hochzahl, x im Betrag oder in sin/cos
Die Gemeinsamkeit der ganzen Tabelle

Das x steht immer unten als Basis, die Hochzahl ist eine natürliche Zahl, und vor jeder Potenz steht nur eine Zahl. Sonst nichts.

Vorsicht bei Brüchen: x4 ist erlaubt (das ist 0,25 · x). 4x ist es nicht. Entscheidend ist, wo das x steht.

Rechnen

Sortieren

A 5

Tippen Sie nur die ganzrationalen Funktionen an.

Schauen Sie bei den Brüchen genau hin: Steht das x oben oder unten?
Ganzrational: 3x5−x, 0,5x2+4 und x:4+2. Bei 1:x3 und 4:x steht x im Nenner, bei √x+1 unter der Wurzel.
A 6

Schreiben Sie in einem Satz auf: Was unterscheidet eine ganzrationale Funktion von einer nicht ganzrationalen?

Musterlösung: Bei einer ganzrationalen Funktion kommt x nur als Potenz mit einer natürlichen Hochzahl (0, 1, 2, 3, …) vor. Jede Potenz wird mit einer reellen Zahl multipliziert und die Summanden werden addiert. Steht x im Nenner, unter einer Wurzel oder als Hochzahl, ist die Funktion nicht ganzrational.
Erklärung

5 · Die Koeffizienten

Der Koeffizient ist die Zahl, die vor einer Potenz steht. Mehr ist es nicht — aber bei drei Stellen verrechnet man sich leicht.

Beispiel, ganz langsam

f(x) = 3x2 − 2x + 7
Potenzdavor stehtKoeffizient
x23a2 = 3
x1−2a1 = −2
x07a0 = 7
Drei Fallen

1. Das Vorzeichen gehört dazu: bei −2x ist der Koeffizient −2, nicht 2.
2. Steht keine Zahl da, ist es eine 1: x3 heißt 1 · x3.
3. Fehlt eine Potenz, ist ihr Koeffizient 0.

Falle 3 sieht so aus: In f(x) = x3 − x + 7 kommt kein x2 vor. Also ist a2 = 0. Man kann die Funktion auch so schreiben:

f(x) = 1x3 + 0x2 − 1x + 7

Der unterste Koeffizient a0 ist immer die Zahl ohne x. Kommt keine vor, ist a0 = 0.

Rechnen

Koeffizienten ablesen

A 7

f1(x) = 3x2 − 2x + 7

Grad:
a2 =   a1 =   a0 =
Grad 2, a2 = 3, a1 = −2, a0 = 7
A 8

f2(x) = x3 − x + 7 — hier fehlt etwas.

Grad:
a3 =   a2 =   a1 =   a0 =
Vor x3 steht keine Zahl — also 1. Ein x2 kommt nicht vor — also 0. Und −x heißt −1 · x.
Grad 3, a3 = 1, a2 = 0, a1 = −1, a0 = 7
A 9

f3(x) = −x4 + 2x3 − 5

a4 =   a3 =   a2 =   a1 =   a0 =
a4 = −1, a3 = 2, a2 = 0, a1 = 0, a0 = −5. Zwei Potenzen fehlen, also zwei Nullen.
Erklärung

6 · Die Bauanleitung

Bisher hießen die Koeffizienten a, b, c. Ab jetzt heißen sie a2, a1, a0 — gleiche Sache, andere Schreibweise:

f(x) = ax2 + bx + c=a2x2 + a1x + a0

Die kleine Zahl unten rechts heißt Index (Mehrzahl: Indizes). Sie rechnet nicht mit, sie nummeriert nur: a5 ist das „fünfte a“. Praktisch ist das, weil das Alphabet bei Grad 27 aufhören würde — Indizes gehen immer weiter.

So sieht die allgemeine Bauanleitung aus:

f(x) = anxn + an−1xn−1 + … + a2x2 + a1x1 + a0x0

Lesen Sie sie von rechts nach links: Die Hochzahlen starten bei 0 und steigen um 1, bis der Grad n erreicht ist. Die drei Punkte stehen für alles dazwischen.

Heißt das, der Grad ist mindestens 3?

Nein. Man sieht in der Bauanleitung zwar x0, x1, x2, x3 — aber wie weit es tatsächlich geht, bestimmt allein der Grad n.

Gradallgemeine Funktionsgleichung
4a4x4 + a3x3 + a2x2 + a1x1 + a0x0
3a3x3 + a2x2 + a1x1 + a0x0
2a2x2 + a1x1 + a0x0
1a1x1 + a0x0
0a0x0 = a0

Zählen Sie nach: Bei Grad n gibt es n + 1 Koeffizienten, weil die 0 mitzählt.

Rechnen

Bauanleitung lesen

A 10

Welche Zeile ist die allgemeine Funktionsgleichung vom Grad 3?

Index und Hochzahl gehören zusammen: a3 gehört zu x3, a0 zu x0. Und keine Potenz darf fehlen.
Richtig ist die mittlere Zeile. In der ersten fehlen x1 und x0, in der dritten passen Index und Hochzahl nicht zusammen.
A 11

Kurz nachgedacht:

Wie viele Koeffizienten hat eine Funktion vom Grad 5?
Wie heißt der Koeffizient vor x8 bei Grad 9?
Zu welcher Potenz gehört a0? x hoch
Schreiben Sie bei Grad 5 die Indizes einfach auf: a5, a4, a3, a2, a1, a0 — und zählen Sie.
6 Koeffizienten (n + 1) · der Koeffizient heißt a8 · a0 gehört zu x0.
Erklärung

7 · Rückwärts bauen

Jetzt dieselbe Sache andersherum: Sie bekommen Grad und Koeffizienten und schreiben die Funktionsgleichung auf. Das geht in drei Schritten.

Schritt 1 — Gerüst hinschreiben

Der Grad sagt, wie viele Plätze es gibt. Bei Grad 3:

f(x) = a3x3 + a2x2 + a1x1 + a0x0

Schritt 2 — Zahlen einsetzen

Für a3 = 2, a2 = 0, a1 = −5, a0 = 1:

f(x) = 2x3 + 0x2 − 5x1 + 1x0

Schritt 3 — Aufräumen

Summanden mit 0 fallen weg, x1 wird zu x, x0 verschwindet ganz:

f(x) = 2x3 − 5x + 1
Beim Aufräumen

0 · xirgendwas = 0 → streichen. 1 · x2 = x2 → die 1 kann weg. Aber: a0 = 1 bleibt als + 1 stehen.

Lassen Sie sich von großen Graden nicht schrecken. Auch bei Grad 7 machen Sie genau diese drei Schritte.

Rechnen

Gleichung aufstellen

A 12

Grad 2, alle Koeffizienten ai haben den Wert 1. Wie lautet die Gleichung?

Gerüst: a2x2 + a1x1 + a0x0. Setzen Sie überall 1 ein und räumen Sie auf.
f(x) = x2 + x + 1. Aus 1x2 + 1x1 + 1x0 wird nach dem Aufräumen genau das.
A 13

Grad 7, dazu: a5 = a4 = a0 = 0  ·  a7 = a1 = −17  ·  a6 = 3  ·  a3 = −100  ·  a2 = 102. Tragen Sie zuerst alle Koeffizienten ein (Brüche als −1/7).

a7 =   a6 =   a5 =   a4 =
a3 =   a2 =   a1 =   a0 =
a7 und a1 haben denselben Wert. Und drei Koeffizienten sind 0 — die fallen später weg.
Eingesetzt:
f(x) = −17x7 + 3x6 + 0x5 + 0x4 − 100x3 + 102x217x1 + 0x0
Aufgeräumt:
f(x) = −17x7 + 3x6 − 100x3 + 102x217x
Spickzettel

8 · Alles auf einen Blick

1 · Was ist es?

Nur Potenzen von x mit Hochzahlen 0, 1, 2, 3, …, jeweils mal eine Zahl, alles addiert.

2 · Grad

Die höchste Hochzahl. Reine Zahl → Grad 0. Nicht von der Reihenfolge täuschen lassen.

3 · Nicht dazu gehören

x im Nenner, x unter der Wurzel, x als Hochzahl.

4 · Koeffizienten

Die Zahl vor der Potenz, mit Vorzeichen. Nichts davor → 1. Potenz fehlt → 0.

5 · Bauanleitung

f(x) = anxn + an−1xn−1 + … + a1x1 + a0x0, also n + 1 Koeffizienten.

Wenn ein Punkt noch wackelt: zurück zu dem Schritt, statt auswendig zu lernen.

Endcheck

Alles gemischt

A 14

Vier Fragen quer durch alles.

g(x) = 4 − 2x6 → Grad , a6 = , a0 =
Ist h(x) = x2 + √x ganzrational?
Wie viele Koeffizienten hat eine kubische Funktion?
Grad 1, a1 = 0,5 und a0 = −3 ergibt f(x) =
Bei der letzten Frage: a1 gehört zu x1, a0 ist die Zahl ohne x.
Grad 6, a6 = −2, a0 = 4 · nein (√x) · 4 Koeffizienten (Grad 3) · f(x) = 0,5x − 3
Geschafft.

Alle 14 Aufgaben sind erledigt. Schwierige Stellen noch einmal ansehen: Schritt 5 (Koeffizienten) und Schritt 7 (rückwärts bauen) sind die, an denen es in Klausuren am häufigsten hakt.

Schritt 1 von 8